Copyright Kirsten Schulte-Werflinghoff 2004




Als Isobella auf die Welt kam, hat Ihre Oma zu Ihrer Mutter gesagt: „Du kannst doch Deine Tochter nicht Isobella nennen. Du meinst bestimmt IsAbella!“ Aber Isobellas Mutter wollte nicht, dass ihre Tochter so heißt, wie irgendein anderes Kind auch. Sie fand, es war ein besonderes Kind. Und sie blieb stur.

Isobella war das egal. Zumindest am Anfang. Denn da war ihr nur wichtig, dass sie genug zu essen bekam. Das ihre Mama und ihr Papa sie kuschelte und lieb hatte. Und dass irgendein Teddy oder ein anderes Spielzeug in der Nähe war. Und das sie einen Schnuller zum Lutschen hatte.

Das ihr Bett gut duftete war auch wichtig. Und das im Kinderzimmer immer irgendwo ein kleines Licht brannte. Denn im Dunkeln hatte sie Angst. Da sie noch nicht sprechen konnte, fing sie an zu brüllen, wie am Spieß, wenn nicht alles so war, wie sie es haben wollte. Das kam aber nicht oft vor. Denn eigentlich war alles so, wie sie es wollte.



Isobellas erstes Wort war nicht „MAMA“ oder „PAPA“, wie bei all den anderen Kindern. Das erste Wort, dass sie sprechen konnte war: „ Rasenmäher“. Sie sagte nicht „Rasenmäher“, sondern „Asmee“, aber alle wussten, was sie meinte. Also, Ihre Mutter, Ihr Vater, ihr Bruder Pepe, ihre beiden Omas und Opas wussten das! Und mehr Leute kannte sie ja auch noch nicht. Und mehr Leute kannten auch Isobella nicht. Abgesehen von der Frau an der Kasse im Supermarkt. Die gab ihr immer einen Bonbon, wenn sie mit Ihrer Mama einkaufen war. Oder der nette Nachbar, der ihr den schönen großen Stoff-Teddy schenkte.

Oder der Postbote, der immer Briefe brachte, die Isobella aber noch gar nicht lesen konnte. Und die ja auch nicht an sie gerichtet waren.

Als Isobella drei Jahre alt war, kam sie in den Kindergarten.

Da gab es viele Spielsachen. Die anderen Kinder fanden die ganz toll. Isobella auch. Vor allem den großen bunten Ball. Aber sie stieß nicht mit dem Fuß gegen den Ball. Sie nahm ihn auch nicht in die Hand und warf ihn, damit ein anderes Kind ihn fangen konnte. So spielten die anderen Kinder mit dem Ball. Isobella aber zog dem Ball ein hübsches Kleid an. Das hatte ihre Oma eigentlich für ihre Puppe Anna genäht. Aber Isobella wollte nicht, dass der Ball friert. Wenn die anderen Kinder ihn nachts draußen liegen ließen.

Isobella hatte auch eine Freundin, die hieß Simone. Aber sie wurde von allen nur MONI gerufen. Hätte Isobella ISABELLA geheißen, hätten die anderen Kinder sie bestimmt „ISA“ gerufen. Aber weil „ISO“, ziemlich doof klingt, blieb sie Isobella.

Das war der Zeitpunkt, wo sie ihren Namen nicht mochte, denn er war ihr viel zu lang. Es hätte ihr besser gefallen, wenn man ihn hätte abkürzen können.

Moni und sie verstanden sich ziemlich gut. Auch wenn sie nicht immer einer Meinung waren. Aber so ist das ja auch mal unter Freundinnen.

Mit sechs Jahren kam Isobella in die Schule. Moni und sie setzten sich sofort in der ersten Stunde neben einander.

Die Lehrerin hieß Frau Schnurps-Klein. Die fand ihren Doppelnamen nicht so toll. Sie stellte sich bei ihren Schülerinnen und Schülern als Frau Klein vor. Eigentlich war sie ziemlich groß. Und sie war sehr sehr nett.

In der ersten Stunde fragte Frau Klein alle Kinder natürlich nach ihren Namen. Jedes Kind musste ein Schild mit seinem Namen auf den Tisch stellen. Natürlich konnte noch keines selber schreiben.

Bis auf ein paar. Tim hieß einer, der konnte seinen Namen schon schreiben. Anna-Maria konnte es auch. Sebastian, Tino, Jana, und Thomas, konnten es auch. Obwohl Thomas immer „Tomas“ schrieb und das „H“ vergaß. Sogar Moni konnte es. Sie konnte sogar SIMONE schreiben. Und das tat sie auch.

Isobella konnte ihren Namen eigentlich auch schon schreiben. Ihr Papa hatte ihr das bei gebracht, als sie noch im Kindergarten war.

Aber sie tat so, als könnte sie es nicht. Denn dann würde Frau Klein ihren Namen auf ihr Schild schreiben und die hatte so eine schöne Schrift.

Frau Klein ging in der Klasse herum und fragte alle Kinder, wie sie heißen. Nur die Kinder, die ihren Namen noch nicht schreiben konnten! Und dann schrieb sie die Namen auf die Schilder. Als Frau Klein Isobella fragte, antwortete die: „Ich heiße Isobella“! Die Lehrerin lächelte und sagte: „Du heißt doch bestimmt ISABELLA!“ Isobella hatte das schon oft gehört und wurde ärgerlich. Sie sagte „NEIN, mein Name ist ISOBELLA! Ich heiße so, weil meine Mama und mein Papa mir diesen Namen gegeben haben. Ich finde es nicht schön, dass man den Namen nicht abkürzen kann, denn, ich finde ihn zu lang! Aber ich heiße nun mal ISOBELLA!“. Da lächelte Frau Klein nicht mehr und sagte ganz ernst: „ Dann müssen Deine Eltern Dich aber auch für ein ganz besonderes Kind halten. Deshalb hast Du auch einen besonders schönen Namen.“ Und sie schrieb mit ihrer schönen Schrift ISOBELLA auf Isobellas Schild.

Als Isobella und Moni in das 2. Schuljahr kamen konnten sie natürlich längst richtig schreiben. Ihre Lehrerin war immer noch Frau Schnurps-Klein, die aber nur Frau Klein genannt werden wollte.

Es gab einen Schüler, der hieß Pit, den mochten die anderen Kinder nicht besonders. Er war immer sehr zornig. Ohne Grund zerbrach er die Spielsachen seiner Mitschüler.

Alle anderen Kinder mochten Pit deshalb nicht. Isobella aber wollte wissen, was mit ihm los ist. Normalerweise macht man doch so etwa nicht, dachte sie sich. Also ging sie zu ihm hin. Pit war gerade wieder sehr wütend und trat mit aller Kraft auf das Feuerwehr-Auto von Isobella. Sie hatte es von ihrem Opa geschenkt bekommen. Es war sehr stabil und ging gar nicht kaputt. Sie wollte gerade los brüllen und ihn beschimpfen. Dann überlegte sie kurz und sagte: „Warum möchtest Du mein Feuerwehr-Auto kaputt machen? Mein Opa hat es mir geschenkt! Bist Du böse auf mich?“ Pit schluckte und hörte auf. Beide schauten sich an. Dann sagte Pit: „Ich weiß es nicht. Ich bin nur so aufgeregt. Aber eigentlich weiß ich nicht warum. Aber da mich eh keiner mag, ist es doch egal. Dann kann ich doch auch weiter hauen. Wenn ich es nicht tue, mag mich trotzdem keiner!“ Isobella wurde sehr böse und brüllte: „ Aber DU KANNST DOCH NETT SEIN, ODER?“ Pit überlegte und sagte: „Aber das würde doch keiner merken!“ Da grinste Isobella und sagte: „Ich find Dich eigentlich ganz nett. Lass doch mein Auto in Ruhe. Wir könnten spielen.“ Und so kam es. Pit und Isobella wurden gute Freunde. Pit machte nichts mehr kaputt.

Aber die anderen Kinder merkten das nicht und behielten ihn so im Kopf, wie er mal war. Und sie mochten ihn nicht. Obwohl er gar nichts mehr kaputt machte.

In der Biologie Stunde wurde eines Tages das Thema „Tiere“ durchgenommen.

Frau Klein fragte alle Kinder welches ihre Lieblingstiere waren. Tinos Lieblingstier war sein Meerschweinchen „Peter“, Thomas nannte Hunde. Sebastian und Anna-Maria fanden Katzen niedlich und toll, Markus Goldfische, Moni Pferde. Moni hatte seit einiger Zeit Reit-Unterricht und nicht mehr so viel Zeit für Isobella.

Klara, die immer noch nicht richtig schreiben konnte, dafür eine „Eins“ in Rechnen und Sachkunde hatte, fand Kaninchen und Papageien sooooo süß. Jana mochte Schildkröten, denn sie hatte eine gefunden und die durfte über den Winter bei ihr zu hause bleiben. Ihre Eltern hatten eine Box gebaut und Jana hatte immer dafür gesorgt, dass sie genug zu essen bekam. Jana hatte die Schildkröte „Schildi“ genannt.

Isobella fand den Namen doof. Aber sie mochte Schildi, und hatte ein paar Mal mit Jana und Schildi gespielt. Schildi war zwar sehr sehr langsam und man konnte auch nicht mit ihr kuscheln, weil ihr Panzer so hart war, aber Schildi hatte so liebe Augen.

Als Frau Klein Isobella fragte, welches ihr Lieblingstier war, überlegte sie nicht lang und sagte: „Erdmännchen und Hornissen!“ Alle Kinder in der 2a ( das war die Klasse in der Isobella war ) fingen lauthals an zu lachen! Wie gesagt, Isobella war immer etwas anders als all die anderen Kinder. Jedenfalls wurde sie sehr wütend und brüllte mit der lautesten Stimme, die sie fand: „ WAS GIBT ES DA ZU LACHEN???“

Alle Kinder hörten auf zu lachen und Frau Klein fragte: „ Isobella, das hört sich sehr interessant an. Aber nun erzähl doch mir und den anderen Kindern, wie Du auf Erdmännchen und Hornissen kommst?“

Isobella war zwar immer noch ein wenig beleidigt, weil die anderen Kinder sie ausgelacht hatten, aber sie sagte: „ Erdmännchen habe ich gesehen, als ich mit meiner Mama und mit meinem Papa im Zoo war. Die sind so putzig! Sie stehen immer kerzengrade am Gitter und gucken einen an und wenn man ihnen zuwinkt, dann sind sie schneller als der Blitz verschwunden und ich habe noch nie jemanden gesehen, der sich sooooo schnell bewegen kann! So schnell möchte ich auch gerne rennen können!“

Alle schwiegen. Moni stupste ihre Freundin von der Seite an und flüsterte: „Du kannst es noch zurück nehmen. Das Du Hornissen magst!“ Da meldete sich Thomas und sagte: „Erdmännchen kenne ich auch, die sind cool, stimmt! Ich habe sie auch gesehen und die sind echt schnell. Aber warum magst Du denn auch Hornissen so gerne? Die stechen doch und sind gemein und böse!“

Isobella schwieg noch eine Weile, weil es ihr ein bisschen peinlich war. Denn sie wusste, dass sie ganz allein stand. Kein Kind und kein Erwachsener mochte HORNISSEN! Das wusste sie. Sie überlegte noch sehr lang, was sie sagen sollte und es war Schweigen in der Klasse. Alle starrten sie an.

Dann sagte Frau Klein: „ Isobella, hast Du Lust, uns zu erzählen, warum Du Hornissen so gerne hast? Obwohl sie stechen und gemein und böse sind?“

Da holte Isobella tief Luft und sagte: „Weil sie sonst keiner mag!“

Alle starrten sie an, dann wagte Moni zu sagen: „ Ja aber…..die mag doch nur deshalb keiner, weil sie stechen und böse sind“ Dann sagte Isobella: „ Wen hat denn schon mal eine Hornisse gestochen?“

Wieder war Ruhe in der Klasse. Dann meldete sich Jana und sagte: „ Mich nicht!“ Dann meldete sich Thomas und sagte: „Mich auch nicht!“

Und alle anderen Kinder meldeten sich auch und sagten, dass sie noch von keiner Hornisse gestochen worden seinen. Und Isobella fragte: „ Und warum findet Ihr sie dann böse?“ Kein Kind wusste, warum. Da sagte Isobella: “Seht Ihr! Hornissen sind eigentlich ganz lieb. Die stechen nur, wenn man sie ärgert. Aber wenn Euch jemand ärgert, dann haut Ihr doch auch, oder?“ Wieder schwiegen alle. Frau Klein sagte: „Wer gibt Isobella Recht?“ Alle hoben langsam die Hand. Da sagte Frau Klein: „Ich glaube, Isobella hat etwas sehr richtiges gesagt!“.
In der Pause spielte Isobella wieder allein mit Pit. Erst kam Thomas dazu und fragte „Hallo Pit, hallo Isobella, kann ich mitspielen?“ Dann kamen auch die anderen Kinder. „Können wir mitspielen?“ fragten sie. Sie hatten gesehen, dass man mit Pit eigentlich ganz gut spielen konnte. Und das er keinem etwas tat und ganz lieb war. Wenn man nur auch nett zu ihm war.

Warum auch nicht?

Als Isobella abends in ihrem Bett lag dachte sie, dass es vielleicht an ihrer Aussage zu den Hornissen gelegen hatte, dass die anderen Kinder plötzlich mit Pit spielen wollten. Aber eigentlich wollte sie nur noch schlafen, denn sie war sehr sehr müde. Zu müde zum Nachdenken.

Grad wollten ihr die Äuglein zu fallen, da klopfte es ans Fenster. Es hörte sich nicht wirklich wie ein Klopfen an, sondern so, als wenn ein kleiner Gegenstand ständig gegen ihr Kinderzimmer-Fenster fiel.

Sie rieb sich müde die Augen und war nach kurzer Zeit wieder hell wach. Vorsichtig legte sie ihre kuschelige Bett-Decke beiseite und stand auf. Sie hatte irgendwie ein bisschen Angst. Die Dunkelheit mochte sie immer noch nicht und noch weniger dieses merkwürdige Geräusch. Sie ging langsam auf das Fenster zu und schob den Vorhang beiseite. Ihre Mutter hatte ihn ihr genäht. Es waren Mäuse und Herzchen drauf, sie mochte ihn sehr! Dahinter sah sie…nichts. Es war zu dunkel. Dann aber hörte sie ein süßes Stimmchen: „ Isobella, lass mich doch bitte rein!“ Sie fürchtete sich erst sehr, aber die Stimme hörte sich so lieb an! Sie fragte zögerlich: „ Wer bist Du?“ Da antwortet die Stimme: „Ich bin Simmsel! Ich möchte so gerne mit Dir ein bisschen reden und so!“

„Bist Du ein Geist?“ fragte Isobella? „Nein,!“ sagte die Stimme “So ein Unsinn, ich bin echt und kein Geist. Ich bin Simmsel und eine kleine Hornisse. Ich will Dir nichts tun, das kann ich auch gar nicht.“ Isobella überlegte. Eigentlich durfte sie nicht mit Fremden reden und sie schon gar nicht zum Fenster herein lassen. Aber die klang so nett!

Sie sagte: „Warum willst Du denn mit mir reden?“ Da sagte Simmsel: „Weil Du die einzige bist, die Hornissen mag, das hab ich heute in der Schule gehört. Ich war gefangen, weil Deine Lehrerin vergessen hatte, dass Fenster wieder zu öffnen! Ich war schon voller Panik, aber dann habe ich zugehört, was Du gesagt hast. Meine Mama hat immer gesagt, die Menschen sind böse, aber vor Dir habe ich seit dem keine Angst mehr!“ Isobella fragte: „Und Du wirst mich auch nicht stechen und mir weh tun?“ „Nein“, sagte die Stimme, „bitte vertrau mir. Mir ist so kalt!“ Isobella öffnete vorsichtig das Fenster.

Sie hörte ein leises „Bsssssssss“, und dann sah sie einen kleinen Körper herein fliegen. Er war gelb-schwarz gestreift und hatte ganz durchsichtige kleine Flügel. Sie schloss das Fenster wieder und Simmsel setzte sich auf ihr Kopf-Kissen. „Hallo!“ sagte Isobella. „Hallo“, sagte Simmsel. Und dann sagte Simmsel: „Weißt Du, das Du mir eine großen Gefallen getan hast? Ich wäre fast erfroren. Aber ich habe mir schon gedacht, dass Du o.k. bist.

Vor langer Zeit, da war meine Ur-Großmutter in einem Krankenhaus eingesperrt. Die hat dann bei Deiner Geburt Dein Gesicht gesehen und Deinen ersten Schrei gehört. Und sie hat zu meiner Großmutter gesagt, da ist ein Menschenkind geboren und das ist ein ganz besonderes Kind! Meine Ur-Großmutter hat solche Sachen immer sofort erkannt. Meine Großmutter hat dann dasselbe meiner Mutter gesagt, die hat das mir erzählt, obwohl sie Dich niemals gesehen hat. Meine Mama hat gesagt, dass Du mir irgendwann mal bestimmt aus einer schwierigen Situation heraus helfen wirst, das hätte sie im Gefühl. Und die Gefühle von Hornissen trügen nie! Und genau so ist es gekommen. Und sie hat gesagt, wenn es dann soweit ist, dürfest Du einmal mit ins Hornissen-Paradies kommen!“ Da fragte Isobella: “Das Hornissen-Paradies? Was ist das? Und WO ist das?“ Simmsel antwortete:“ Es ist ein kleines Stück entfernt von dieser Erde. Da kannst Du die Sterne ganz nah sehen. Es duftet süß, nach Honig und Schokolade. Und immer spielt eine ganz schöne Musik. Sie erfüllt den ganzen Himmel. Du kannst die Sterne anfassen. Sie glitzern und funkeln. Wenn Du sie berührst, dann ist das so schön, dass Du es nie mehr vergisst. Man kann viele schöne Sachen sehen, im Hornissen-Paradies. Aber Du musst es natürlich auch wollen.



Isobella hörte gespannt zu. „Aber meine Mama und mein Papa werden mich suchen! Und Pepe und Pit, meine Oma und mein Opa, und Moni!“ Simmsel lächelte und antwortet:“ Wenn wir uns direkt auf den Weg machen, wird niemand etwas merken. Du wirst morgen früh in Deinem Bett aufwachen und es wird sein, als seiest Du nie weg gewesen!“

Das wollte sich Isobella nicht entgehen lassen.

Eine Frage hatte sie noch: „ Warum ICH?“ Simmsel sagte: „ Es kommt nicht oft vor, das ein Menschen-Kind so ist, wie Du es bist. Meine Ur-Großmutter kannte noch ein Kind, das so war wie Du. Das war Dein Opa. Sie kannte ihn nicht persönlich, sondern ihre Großmutter hat es mir erzählt. Es war der Vater Deines Vaters. Und der war auch etwas ganz besonderes. Der hat das Hornissen-Paradies auch schon gesehen.“ Isobella schloss die Augen und erinnerte sich an eine Geschichte die ihr Opa ihr einmal erzählt hatte. Er erzählte von einer wunderschönen bunten Welt, wo den ganzen Tag die Sterne funkelten und davon wie schön es dort sei. Isobella war damals noch sehr klein gewesen aber sie erinnerte sich ganz genau! Manchmal träumte sie davon. Ihre Oma hatte ihren Opa geschimpft! „Setz dem Kind nicht so eine Unsinn in den Kopf!“ hatte sie gesagt. Ihr Opa hatte Isobella immer nur angeschaut und mit den Augen gezwinkert. „Du wirst es irgendwann sehen! Und Du weißt schon jetzt, dass es diesen Ort gibt!“ Dann hatte er ihr ein Küsschen auf die Wange gegeben und ihr eine gute Nacht gewünscht. Sie hatte damals die ganze Nacht davon geträumt! Aber das fiel ihr jetzt erst wieder ein!

„Na gut“, sagte sie, „nimm mich mit!“

Simmsel sagte: „Schließ die Augen und vertrau mir!“

Isobella schloss die Augen und vertraute Simmsel. Sie wurde auf einmal ganz ganz müde und fiel in einen tiefen Schlaf. Plötzlich hörte sie Musik.

Die war so wunderschön. Süße Glocken-Töne erklangen. Sie war ganz benommen aber sie wachte langsam wieder auf. Sie blickte als erstes in einen blauen Himmel, so hell-blau, wie sie ihn nie zuvor gesehen hatte! Er wirkte fast durchsichtig und war wunderschön. Sie blinzelte und konnte endlich ihre Augen ganz öffnen.

Alle Müdigkeit war verflogen. Im Himmel waren tausende von Sternen, so nah, das sie nur die Hand ausstrecken musste, um sie zu berühren. Sie griff nach einem, der besonders nah war. Ihre Hand erstrahlte in hellem Licht, der Stern funkelte, als wenn 1.000 Wunderkerzen angehen würden und die Musik veränderte sich. Sie wurde noch süßer und klarer als zuvor. Und als sie es sich jemals hätte träumen lassen können. Sie war so erfüllt davon, dass sie eine Weile brauchte um wieder denken zu können. So schön war es. Sie erinnerte sich an Simmsel und rief sehr laut nach ihr.

Erst antwortete niemand. Dann rief eine Stimme. „Hier bin ich!“ Isobella drehte sich um und sah eine wunderschöne Blumenwiese. Nie zuvor hatte sie soviel schöne Farben gesehen.

Sie sah genauer hin und erkannte auf einer besonders großen Blüte eine Hand. Die winkte. Sie gehörte Simmsel! „Gefällt es Dir hier?“ fragte Simmsel. Isobella antwortete: „Ich weiß gar nicht was ich sagen soll. Es ist schöner, als ich jemals etwas gesehen habe. War mein Opa auch hier?“ „Ja“, sagte Simmsel.“ Das war er. Und er hatte damals schon von seiner Enkelin erzählt. Und das er sich sicher sei, dass sie irgendwann auch all das sehen könne. Da gab es Dich noch gar nicht. Aber Dein Opa wusste eben auch mehr als andere. Er war auch was ganz besonderes! Wie DU!“ Isobella nahm sich fest vor, mit ihrem Opa über all das zu reden, wenn sie wieder zurück war. Simmsel hatte ihr gesagt, das sie morgen früh wieder in ihrem Bett liegen würde. Momentan aber wollte sie nirgendwo anders sein! Sie sagte zu Simmsel: Es ist so schön hier. Sag, hab ich einen Wunsch frei?“ „Ja, sagte Simmsel“, erzähl mir von deinem Wunsch und ich versuche, ihn Dir zu erfüllen!“

Isobella überlegte nicht lang und sagte:“ Ich möchte gern, dass alle Menschen, die ich lieb habe auch hier sein können! Mama, Papa, Oma, Opa, Pepe, Pit und Moni!“

Simmsel sagte ein wenig traurig: „ Diesen Wunsch kann ich Dir nicht ganz erfüllen. Hier dürfen nur Kinder, Tiere und Insekten sein! Aber sei nicht traurig. Deine Mama und Dein Papa schlafen. Dein Opa weiß, dass Du hier bist, und er kennt es schon! Er freut sich sehr für Dich, das hat er mir gesagt! Aber Pepe, Pit und Moni können kommen! Du musst es nur ganz fest wollen und es Dir so sehr wünschen, das die Sterne über Dir Funken sprühen!“




Isobella wurde kurz ein wenig traurig, dann wurde sie ernst. Sie dachte: „ Wenn ich es mir ganz fest wünsche……….! “ Sie schloss die Augen und dachte an Moni, Pit und ihren Bruder Pepe. Sie dachte so stark daran, dass sie wieder ganz müde wurde und einschlief! In Ihrem Traum funkelten 1.000 Funken. So hell, so schön!

Plötzlich wurde sie geweckt. Jemand schüttelte sie und ließ nicht los. Sie öffnete vorsichtig ihre Augen und sah…… ihren Bruder Pepe! „Isobella“, rief er “wach auf!!!!!“ Sie schüttelte sich und stand langsam auf. Ihr war noch ein wenig wackelig auf den Beinen, aber schnell verging das Gefühl.

„PEPE, Du bist da! Ist es nicht schön? Sind Moni und Pit auch da?“ Rief sie laut!

Pepe sagte: „Ja, dort drüben! Sie greifen nach den Sternen! Hast DU uns hierher geholt?“

Isobella antwortete: „Ja, das hab ich! Ich wollte, da ihr auch all dies erleben könnt. Bist Du nun böse auf mich? Weil ich Dich hier her geholt habe?

Da grinst ihr Bruder und sagte. „Ach Isobella! Ich bin mitten in der Nacht geweckt worden, von einer Stimme. Die hat gesagt, dass Du mich gern bei Dir hättest. Und das es wunderschön sei, da wo Du bist. Und Du hattest Recht! Es ist so schön, wie ich niemals zuvor etwas schönes gesehen habe! Und DU bist auch da. Moni und Pit haben völlig vergessen, wie das richtige Leben ist. Schau nur!“

Isobella drehte sich herum und schaute auf ihre Freunde Moni und Pit.

Sie standen da, und versuchten die schönsten Sterne mit den Händen zu ergreifen. Ihre Augen leuchteten!

Isobella rief ganz laut ihre Namen, Pepe grinste!

„Na ja“, sagte Isobella, „ich wollte aber nicht, dass sie vergessen, wie das richtige Leben ist. Erstens ist das ja hier auch „RICHTIG“ und außerdem können wir ja nicht immer hier bleiben, Mama und Papa würden uns vermissen und Oma und Opa und Frau Schnurps-Klein und der Postbote und Herr Großmuth, der nette Nachbar und alle anderen Kinder auch. Aber wie schön wird es sein, wenn wir denen von hier erzählen können und eines Tages unseren Kindern, genau wie Opa mir auch schon davon erzählt hat!“ Isobella schluckte. Sie redete ja schon, wie eine Erwachsene. Das wollte sie aber auf gar keinen Fall!

Und sie fühlte sich ja auch nicht so. Trotzdem ahnte sie, dass sie eines Tages eine Tochter bekommen würde, die all das auch sehen durfte und davon ihren Kindern erzählen würde.

Da knisterte es hinter ihnen im Busch. Simmsel kam hervor und flüsterte: „Seht nur, der Regenbogen……!“ Pit, Moni, Pepe und Isobella sahen zur Seite, dorthin, wo Simmsel zeigte.

Sie sahen einen Regenbogen, der war so bunt und leuchtend und zum Anfassen, dass es Ihnen die Sprache verschlug.

Isobella traute sich als erstes, ging auf ihn zu und berührte ihn. Wie bei den Sternen auch begann ihre Hand zu funkeln an.

Vorsichtig zog sie sich hoch und auf einmal zog der Regenbogen sie wie ein Sog bis ganz hinauf an seine höchste Stelle. Sie jauchzte und ließ sich fallen. Sie glitt den Regenbogen hinunter wie auf der Rutsche auf dem Spielplatz am Haimbach, gleich um die Ecke wo sie mit ihren Eltern und Pepe wohnte, nur….es war ganz anders. Hinter ihr hing ein langer Schweif, der bestand aus goldenen und bunten Glitzer-Sternen und sie hatte das Gefühl zu fliegen!
ügen und es war wie im Traum.




Als sie unten ankam, sah sie, dass Pit, Pepe und Moni auch bereits am Rutschen waren und genau so aufgeregt und entzückt waren, wie sie!

Wo war sie hier nur gelandet?

Das war schön, aber auch so außergewöhnlich. Morgen sollte sie wieder ganz normal frühstücken und dann von ihrer Mama zur Schule gefahren werden? Wie sollte das gehen, nachdem man so etwas erlebt hat?

Gibt es das ganz normale Leben überhaupt noch? Wenn mich Frau Schnurps-Klein fragt, was ich heute gemacht habe, was sage ich dann?

Glaubt uns irgendwer? MUß ich überhaupt erzählen, was passiert ist? DAS WÜRDE ICH SO GERN!

All diese Gedanken gingen ihr im Kopf herum, während Pit, Pepe und Moni den Regenbogen herunter sausten und Isobella fragte sich, was wohl noch alles passieren würde. Hier, in Simmels Welt. Es war alles so aufregend. Plötzlich erklang ein seltsames Geräusch.

Es hörte sich an, als wenn Mama mit der Reibe Mohrrüben klein rieb, für den leckeren Salat, den Isobella so mochte. Das Geräusch wurde lauter und lauter. Und dann wurde es über den Kindern, Simmsel und dem Regenbogen dunkel. Der Regenbogen verschwand schließlich ganz und gar.

Isobella wurde nachdenklich. Es war wirklich wunderschön hier.

Der Duft, die Musik, die schönen Sachen, keiner sagt einem, was man darf oder nicht, man darf alles, weil…….“ISOBELLA!“ riefen auf einmal alle. Isobella drehte sich um.

„Was ist?“ fragte sie. „Schau doch nur!“ rief Pit.

Er zeigte auf einen kleinen grünen Strauch, der langsam aber sichtbar immer größer und größer wurde. Und er roch so…so unglaublich lecker nach Vanille-Pudding, genau so, wie ihn Isobellas Oma immer kochte.

Als er ungefähr 1 Meter groß war sah man kleine Blüten, die auch immer schneller wuchsen und langsam zu großen Knollen wurden. Jetzt waren es kleine Töpfe, und in diesen Töpfen schwamm….. Vanille-Pudding.

„Hmmmmmmmmmmmmm…..lecker probier mal!“ brüllte Moni.

Isobella tauchte den Zeigefinger hinein und schleckte. Es war das Beste und süßeste was sie jemals gegessen hatte.

Trotzdem…….“Pit, Moni, Pepe“, rief sie. „Es ist so lecker und schön hier, aber…..es ist noch viel schöner morgens von Mama einen Kuss zu bekommen, und der Vanille-Pudding von Oma ist auch sooo lecker.“

„Ich will NACH HAUSE!!!!“

„Bist du verrückt?“ fragte Pepe. „Zu hause müssen wir immer früh ins Bett, es gibt keine Regenbogen, auf denen man rutschen kann, und man muss jeden Tag zur Schule!“

„Ja,“ seufzte Isobella, „trotzdem…..“

„ICH WILL NACH HAUSE!“ Ich vermisse Mama und Papa, und Oma und Opa, und Frau Schnurps-Klein!“

„Ich bleibe hier!“ Rief Pepe.

„Und die anderen?“ fragte Isobella.

Pit und Moni drucksten herum und Simmsel grinste und sagte: „ Wie dein Opa damals!“

„Was meinst Du?“ fragte Isobella.

Simmsel begann zu erzählen:“ Als Dein Opa Karl damals hier war hatte er es besser als zu hause, Du siehst ja selbst, wie schön es hier ist. Er hatte die Möglichkeit für immer hier zu bleiben, aber das wollte er nicht. Für ihn gab es nichts Schöneres als seine Eltern um sich zu haben und selbst früh aufzustehen um zur Schule zu gehen, obwohl er morgens immer sooo müde war und eine 4 in Rechnen hatte, war ihm lieber.

Er hatte furchtbares Heimweh. Und deshalb hat er auch die Prüfung in Kauf genommen um zurück zu kommen. Zu seinen Eltern und seinen Freunden und seinem Kinderzimmer!“

„Was für eine Prüfung?“ fragte Isobella. „Du hast doch gesagt, ich kann nach hause, wann immer ich will!“

„Nein,“ sagte Simmsel, „das habe ich nicht gesagt. Du musst auch eine Prüfung ablegen!“

Isobella wurde wütend, „WAS FÜR EINE PRÜFUNG????“ fragte sie.

„Pit, Pepe und Moni wurden auch ganz kleinlaut. „Ich will in mein Bett“ sagte Pepe. „Und meine Mama.“

Simmsel sagte: „ Es ist nicht schwer! Ihr müsst mir nur sagen, wann und wie Eure Eltern sich kennen gelernt haben. Das ist alles!“

„Ich weiß es!“ brüllte Pepe! „Im Kindergarten!“

„Nein!“, sagte Simmsel, „das stimmt nicht.“

Isobella schrie “DU BLÖDE HORNISSE, was soll das???????????“

Simmsel sagte: „Isobella, überlege doch einmal!

Im selben Moment tropfte ein riesiger Tropfen Vanille-Pudding auf Isobellas Kopf.

„ Jetzt reicht es! Aber ich weiß es trotzdem, es war in der Schule. Mamas und Papas Lehrerin hat allen Kindern das Rezept für Vanille-Pudding gegeben und Mama und Papa haben ihn dann zu hause gekocht, er schmeckte furchtbar, nach Spinat, aber Mama und Papa haben so gelacht und sich dabei verliebt.

Und dann sind sie zusammen geblieben und als sie älter wurden haben sie immer noch so drüber gelacht und mir die Geschichte immer erzählt, wenn ich nicht schlafen konnte. Und ich musste auch immer so lachen! Vanille-Pudding, der nach Spinat schmeckt! Das gibt es doch gar nicht!“

„Na, dann probier noch mal!“ sagte Simmsel.

Isobella probierte den Pudding noch mal und….er schmeckte nach Spinat!

„Ihhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhh!“ rief sie.

Simmsel sagte: “Du hast recht. Wenn ihr alle wollt, dann dürft ihr nach Hause!“

Pepe, Pit und Moni sahen sich an.

„Na ja,“ sagte Moni „es ist so schön hier, und ich werde es niemals vergessen, aber ich will auch nach hause!“

„Ich auch!“ riefen Pit und Pepe und auf einmal gab es ein Geräusch, als ob 1000 Hornissen ihre Flügelchen schlugen.

Dann wurde das Licht ganz grell und dann war es ganz dunkel.

Isobella blinzelte und sah…nichts.

Sie tastete und fand einen Lichtschalter. Dann ging die Tür auf und ihre Mama kam herein,…sie war wieder in ihrem Kinderzimmer.

„Was ist?“ fragte ihre Mama. „Du hast so laut nach Vanille-Pudding geschrieen, und auch der Pepe!“

„Ach Mama!“ flüsterte Isobella“ ich hab Dich so lieb!“

„Ich Dich auch,“ sagte Mama „und nun schlaf weiter!“

Am nächsten Morgen wachte Isobella auf, ging in die Küche und da saßen ihre Eltern und Pepe. Er zwinkerte ihr zu.

Sie war so glücklich und ist es heute noch.

Sie ist mittlerweile 38 Jahre alt und hat eine kleine Tochter hat. Die heißt Lillie.

Pepe, Isobellas Bruder ist Lillies Patenonkel

Und als Lillie mal nicht schlafen konnte, hat sie Isobella und Pepe gerufen.

Sie wollte den beiden vom Hornissen-Zauber-Land erzählen…..da hat sie eine kleine Hornisse getroffen, die kannte sogar schon Isobellas und Pepes Großvater.

Und Isobella und Pepe grinsten und gaben Lillie ein Küsschen.

„Du bist wirklich was besonderes!“ sagte Isobella.

Und Pepe nahm sein Patenkind in den Arm und küsste es



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